Tour de Skiathos – Tag 5 Garmisch nach Innsbruck-Igls
Wie immer 7:00 raus aus dem Bett, das so weich war, dass das Verlassen desselben an erste Krabbelversuche eines Säuglings erinnerte. Blick aus dem Fenster: die Zugspitze in der Morgensonne. Was für ein Anblick. Kaiserwetter.
The same procedure as last day. Den mitgenommenen Hausstand verpackt, die Räder gesattelt. Ab dafür! Einmal quer durch Garmisch, dann fast völlig unerwartet ein Berg! An der Skisprungschanze vorbei – cool. Wer da runterspringt, keine Ahnung – da kannst du auch gleich mit dem Rad nach Griechenland fahren. Letzteres ist bestimmt geiler. 5 km und nur ein paar 100 Höhenmeter. Lächerlich, aber nur fast. Also einmal um die Zugspitze Richtung Karwendel. Wieder eine Gänsehaut-Kulisse vor der Abfahrt auf der Landstraße. Einige Kilometer entlang der Isar – wunderschön. Österreich. Und schon geht’s los. Berg. Landstraße, mehr Berg, Landstraße. Landstraße? War hier gar nicht auf dem Plan! Und schon gar nicht mit so einer absurden Steigung. Komoot? Witzig. Vermutlich wollte uns unser digitales Routenplanendes die tolle Abfahrt zeigen. Back on Track! Waldwege hoch und runter, mehr hoch als runter, dann Radweg an der Landstraße. Nach 4-5 km dann endlich Alpe d’Huez – bei Kennern auch Seefeld genannt. Unser ureigener Überlebensinstinkt führte uns zielstrebig in ein Tiroler Gasthaus. Wer hätte das gedacht? Es gab Gröstl. Lecker.
Die müden Knochen riefen nach Siesta auf ner Wiese, geht schief, meinte der Verstand. Woher kam der denn? Also der Verstand.
Wir wurden von vielen gewarnt, und ja, es war eine Abfahrt. Über Schotter, Stock und Stein, fast im freien Fall. Das Gesamtgewicht der Bikes mit deren Piloten – per se keine Leichtgewichte, stellte die Bremsen vor richtige Herausforderungen. Die Bremscheiben hatten sich verfärbt und es roch verdächtig verkohlt. Bergabfahrt kann ungewöhnlich anstrengend sein – man will bei 100 Metern Abgrund Abkürzungen aus gesundheitlichen Gründen vermeiden. Ich halte das für angebracht. Aber ein Riesenspaß.
Geschafft. Noch ca. 25 km bis Innsbruck. Gerade Strecke. Endlich Gegenwind – nicht immer dieses lästige Bremsen müssen. Auf der Inntal-Strecke gibt’s gefühlt mehr Radfahrer als China Einwohner hat. Innsbruck. Stadtverkehr. Blöd. Naja, nur noch 4,5 km zum Gasthaus. Straße gesperrt wegen irgendeiner Laufveranstaltung. Zurück. Ne, is nix. Außenrum gibt’s nicht. Fast nicht. Außer mal wieder auf einer zweispurigen Landstraße. Da wir unglaublich schlau sind, denken wir nach, hatten dabei aber eher überschaubar Glück. Ergebnis: Wir fahren mal da vor. Und wieder zurück, oder links oder rechts. Da ist eine Überführung. Treppen mit Bike-Spur. Geht doch, Steigung viel. Zu zweit jeweils ein Bike hochgewuchtet. Geht doch!
Die Erkenntnis: Wir landen auf der Landstraße, die hoch nach Igls geht – die einzige Straße dorthin. Nein, dorthinauf. Der Routenplaner sagt nur 3,94 km, juhuu. Und 39 Minuten mit dem Rad. Klar. Ersatzakku rein, los geht’s. Nach 100 Metern sagt meine Restreichweitenanzeige 12 km – der Akku war voll. Und gefühlte 39 Minuten später war das Dorf erreicht und auch unser reserviertes Wirtshaus. Hotel noch 500 m. Das riecht nach nem schnellen Bierchen. Man will sich ja vor dem Essen vorstellen. Tolle und sehr nette Leute, wie Herr am Nebentisch. Wieder entwickelte sich ein Gespräch über unser Vorhaben, Da wirst ja depoert, so der erste Kommentar. Er bot sofort an das Foto zu machen. Jetzt schnell ins Hotel. 500 Meter. Die Steigung hätte jeden Skispringer blass gemacht. Wir haben den Weg dann noch mal zwecks Nahrungsaufnahme zu Fuß genommen. Blöde Ideen können wir.
Backhendl und Kässpätzle.
Ende für heute. Gute Nacht.
Morgen ab nach Brixen.