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Tour de Skiathos – Etappe 11/12

Datum: 22. Mai 2026 | Von: | Kategorie: Tage/Etappen

Aus ouzoerfindlichen Gründen werden diese nun nachgereicht.

Tag 11

13,4 km – 12 Höhenmeter
(für geübte Radler machbar)

8:30 Uhr aufstehen – das hat schon fast etwas von Urlaub. Und täglich grüßt das Murmeltier in Form unserer abnehmbaren Fahrradkofferräume, die gepackt – offenbar ein anderes Wort für vollgestopft – werden wollen. Die immer noch nassen Klamotten … naja, rein damit. Können wir ja auf der Fähre trocknen lassen.

Gute Idee. Zunächst.

Frühstück. Ganz gut. Bis auf das Rührei. Die Eier wurden wahrscheinlich vor mehreren Monaten von Hühnern der Rasse BASF gelegt und sind länger haltbar als Himalaya-Salz. Hoffentlich hat das Zeug auch eine normale Verweildauer im Verdauungstrakt.

Routiniert gehen wir unsere Preflight-Checkliste durch.

Akku geladen – Check.
Hast du alles? Jo.
Hamma nix vergessen? Nö.

Mir fällt das Rührei wieder ein.

Kurze stoffwechselbedingte Schreibpause.

Die psychosomatische Abführwirkung sollte eigentlich verschreibungspflichtig sein. Ich schweife ab … das passiert mir doch sonst nie?! Ruhe! Ich kann euch alle sehen.

Die 13,4 km durch Mestre und den Hafen schaffen wir problemlos. Das Wetter ist komisch. Es regnet nicht. Zum Glück sind die Klamotten noch vom Vortag nass – gute Vorbereitung zahlt sich eben aus. Improvisation ist schließlich die höchste Form kontrollierter Verzweiflung.

Die Fähre Venedig–Patras soll um 14 Uhr ablegen. Wir stehen rechtzeitig in der Schlange zum Einchecken. Geht erstaunlich schnell. 45 Minuten später entern wir den Kahn.

Läuft bei uns!

Fachmännisch werden unsere Bikes in einem kleinen Raum am Notausgang gestapelt, sodass man kaum noch reinkommt und auf der anderen Seite definitiv nicht mehr raus. Das ist sicherheitstechnisch bestimmt exakt so vorgesehen. Vermutlich nach denselben Normen, nach denen man in Italien Kreisverkehre und Ampeln interpretiert.

Jetzt ab in die wirklich nette Außenkabine. Die nassen Klamotten und Alltagsgegenstände werden homogen verteilt. Das Zeug hat nun gute 32 Stunden Zeit, sich des Wassers zu entledigen. Allen voran die nassen Radschuhe, die inzwischen knapp 900 km an den Füßen klebten und vermutlich langsam als eigenständige Lebensform anerkannt werden könnten.

Ab aufs untere, überdachte Achterdeck. Einen Tisch und Stühle belegen – besser gesagt besetzen. Also klassisch deutsches Sozialverhalten. Territorialverhalten wie bei Pinguinen, nur mit Funktionskleidung.

André fand auf dem Weg zur Toilette zielsicher – die Bar. Dort wurde er offenbar sofort mit zwei Bier und zwei Ouzo beworfen.

Auf geht’s über Igoumenitsa nach Patras. Ca. 600 Seemeilen, was ungefähr 1100 Kilometern entspricht.

Es dauerte nicht lange und wir kamen mit einer Dreiergruppe sehr sympathisch ausschauender Jungs aus dem Norden ins Gespräch. Die treffen sich hin und wieder für ausgedehnte Bikertouren.

4200 km in 10 Tagen mit dem Motorrad.

Respekt. Oder verrückt?

Wahrscheinlich beides. Aber genau diese Mischung verstehen wir inzwischen erschreckend gut.

Bei wunderschönem Sonnenuntergang tauschen wir uns über unsere Vorhaben aus und stellen fest: Das passt. Und wird lustig.

Robert, Timo und René – was für Granaten.

Die weiteren Stunden unterliegen der Selbstzensur. Nicht aus Scham. Eher aus Gründen internationaler Seesicherheit.

Nachdem die „Drei auf Achse“ – so heißt ihre spontan gegründete Facebook-Gruppe – im Halbfinale die Segel strichen, waren die beiden Biker aus Tschechien, die sich zwischenzeitlich noch dazugesellten, im Finale nur noch Formsache. Aber auch die waren absolute Klasse-Typen.

André und ich verließen zu fortgeschrittener Stunde glücklich und zufrieden mit leichtem Seegang das Achterdeck und begaben uns in die Kabine. Ob es nur das eintönige Gebrumme und Geschepper der Fähre war, das zum sofortigen Tiefschlaf führte, kann ich nicht beurteilen. Möglicherweise spielte auch der Ouzo eine gewisse, wenn auch wissenschaftlich schwer belegbare Rolle.

Aufstehen. Duschen.
Fällt aufgrund der von der Brause angebotenen Wassertemperatur eher einer Katzenwäsche zum Opfer. Wobei selbst nordische Freigängerkatzen vermutlich Protest eingelegt hätten.

Jetzt erstmal Kaffee.

Man war schon beinahe versucht, die Sachen zu packen. Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier. 

Wir haben ja noch 12 Stunden Zeit.

Raus aus der Kammer.

Beim erneuten Betreten der Kabine mit wieder halbwegs geradegebogenen Sinnesorganen kam uns der Duft der großen weiten Welt entgegen.

Um eurem Vorstellungsvermögen zu helfen:

Ziegenstall!!

Die feuchten Schuhe und Klamotten. Dazu der feuchtfröhliche Abend.

Den Duft gibt’s noch nicht von Axe. Und auch nichts dagegen. Nicht mal von ratiopharm. 

Mittagessen mit den drei neuen Freunden im Self-Restaurant auf der Fähre. Es war erstaunlich gut. Fährenessen bewegt sich kulinarisch normalerweise irgendwo zwischen Autobahnraststätte und Betriebskantine kurz vor der Insolvenz. Umso größer die Überraschung.

Danach chillen im Ziegenstall.

Dann warten.

Das zieht sich.

Zeit auf Fähren vergeht irgendwie anders. Zähflüssiger. Fast philosophisch. Man sitzt zwischen Meer, Motorengeräuschen und leichtem Dieselduft und denkt plötzlich über Dinge nach, über die man zuhause nie nachdenken würde. Zum Beispiel darüber, ob feuchte Radschuhe irgendwann ein Eigenbewusstsein entwickeln.

Nach dem Zwischenstopp in Igoumenitsa geht’s weiter nach Patras.

Um exakt 0:30 Uhr verlassen wir die Fähre und treffen uns mit Robert, René und Timo noch zu einem Abschiedsfoto im Hafen.

Das war schon schön.

Wir werden uns wiedersehen. Vermutlich an der Ostsee. Vielleicht im Rahmen einer Tour nach Ouzodom oder wie die Insel heißt.

Rad-Etappe 12

Hafen – Hotel

2 km, 0 Höhenmeter

1:00 Uhr eingecheckt.

Jetzt schnell schlafen.

Morgen – beziehungsweise heute – soll es früh losgehen.

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